Coburger Tageblatt, 27. 09. 97
Hände sagen mehr als Worte

  Neustadt (sfs). Der 34jährige Alexander Golandsky aus Neustadt ist Diplom-Chirologe und kam damit ins Fernsehen. Überrascht waren am vergangenen Mittwoch viele Neustadter Zuschauer der SAT1-Sendung "Vera am Mittag": Als Gast war dort der Neustadter Alexander Golandsky zu sehen.
 
Eingeladen wurde der 34jährige aufgrund seiner Fähigkeit, aus den Handlinien der Menschen deren Gesundheit und Persönlichkeit analysieren zu können. Dem "Tageblatt" erzählte Golandsky wie er zu der "Ehre" kam: Über Videotext hatte er eine Telefonnummer angerufen - gesucht wurden von den Machern der Sendung jemand mit Handlesekenntnissen. Bald darauf folgte die Einladung zur Aufzeichnung der Sendung in Potsdam-Babelsberg.

In der Sendung mußte Alexander Golandsky dann innerhalb weniger Minuten die Handlinien eines Gastes analysieren, der seinerseits nicht an derlei Aussagen glaubt. "Es war ein hartes Geschäft", wie Golandsky gegenüber dem "Tageblatt" einräumte, brauchte er sonst für eine umfassende Handliniendeutung 10 bis 14 Stunden. Auch hantiert er dabei nicht wie in der Sendung mit einer Lupe herum, sondern verwendet modernste Technik. Die abfotographierten Hände werden in den Computer gescannt und anschließend auf dem Bildschirm vergrößert. Dabei macht Alexander Golandsky nach eigenen Angaben Linien sichtbar, die mit dem bloßen Auge überhaupt nicht zu erkennen, jedoch für die Analyse enorm wichtig sind. Am Ende bekommt der "Kunde" dann eine etwa 16seitige Zusammenfassung, die über Gesundheitsrisiken, Persönlichkeit und Entwicklungsmöglichkeiten Auskunft gibt.

Für den 34jährigen gelernten Einzelhandelskaufmann war die Mittagstalkshow nicht der erste Fernsehauftritt, bereits vergangenes Jahr strahlte das MDR-Fernsehen in der Sendung "Außenseiter - Spitzenreiter" einen ausführlichen Beitrag über die Handlesekunst des Neustadters aus. Auch die Kundschaft von "Golle" ist vielfältig: So ließ sich der Schweizer Boxer und ehemalige Herausforderer von Weltmeister Ralf Roccigiani, Stefan Angehrn, vom Neustadter "Chirologen" beraten. Natürlich arbeitet er nicht nur für Prominente, seine etwa 300 Analysen betrafen "alle Schichten", erzählt der junge Mann.

Daß er sich ernsthaft mit seinem Hobby beschäftigt, belegen nicht nur die 40 Bücher, die er mittlerweile zur Handlesekunst durchgearbeitet hat, sondern auch sein "Chirologie-Diplom", daß er sich im Fernstudium erarbeitet hat. dabei kann er als Lehrmeister auf die Chinesen und Ägypter verweisen, die sich ebenfalls der Handliniendeutung widmeten. Auch in der Zukunft hat Alexander Golandsky noch interessante Pläne: So interessiert er sich für die wissenschaftliche Handlinienauswertung von Mördern und Gewaltverbrechern. Doch leider, so erzählt der "Fernsehstar", hat mir das Bayerische Justizministerium die Auswertung entsprechender Abdrücke nicht erlaubt. Vor weiteren Fernseh- oder Talkshow-Auftritten mit teils kritischen Fragen fürchtet er sich nicht: "Schließlich habe ich in der Sendung mit allen Punkten recht gehabt." Und Alexander Golandsky wird wohl wirklich nicht das letzte Mal zum immer wieder beliebten Thema des Handlesens im Fernsehen zu sehen sein, schließlich hatte der Privatsender SAT1 etwa in ganz Berlin keinen Chirologen wie ihn gefunden.