Neue Presse, 21. Juli 2001
"Golle" und die Handarbeit

Neustadter Chirologe sagte den Tod von Beate Uhse voraus / Analyse per Computer
Von Manja von Nida

  Neustadt. Donnerstag war in der Zeitung zu lesen, die Erotik-Unternehmerin Beate Uhse sei an einer Lungenentzündung in der Schweiz verstorben. Dabei hatte vor zwei Jahren Alexander Golandsky aus Neustadt Beate Uhse in einer Kurzanalyse ihrer Hände geraten, "dass sie im Alter zu Krankheiten der Atemwege neige und grippale Infekte und Erkältungskrankheiten stets auskurieren solle und speziell auf die Lunge zu achten". Beate Uhse hatte nie auf das Schreiben von Alexander Golandsky geantwortet. Sie sandte auch kein Dankesschreiben für den fürsorglichen Rat.
 
Der Neustadter Alexander Golandsky hat schon ganz anderen Menschen in die Hände gesehen. Berühmte und bekannte Schauspieler, Sänger, Staatsmänner und Hände von schon längst verstorbenen Persönlichkeiten wie Albert Einstein, Thomas Mann, Gerhart Hauptmann und Marlene Dietrich. Die Neustadter kennen "Golle" Alexander Golandsky, er ist Handleser. Das verrät auch ein Aufkleben an seiner Autoscheibe. In seinem Arbeitszimmer hängt ein eingerahmtes Diplom vom Institut für Parapsychologie und Grenzwissenschaften in Pfarrkirchen mit dem Titel "Diplomchirologe". Im Fernstudium hatte sich Alexander Golandsky diesen Titel erworben.

Der wärmende Rot-Ton der Türrahmen spiegelt eine gewisse Atmosphäre wider. Ein PC in seinem Arbeitszimmer speichert seine wertvolle Arbeit. Fein säuberlich sind Farbdrucker und Tastatur abgedeckt. Regale und Schränkchen verbergen viele Schätze. Uralte Bücher in sämtlichen Sprachen über das Handlinienlesen hat sich Alexander Golandsky beschafft. Früher hatte er zehn wilde Jahre gelebt. Rockig, lange Haare, die er noch heute trägt, und ein großes Motorrad war sein Leben. Er lebte in Diskos und hatte dort den Kumpels aus den Händen gelesen.

Als vor etwa 14 Jahren dem heute 39-Jährigen in einer Frauenzeitschrift etwas über das wissenschaftliche Handlinienlesen in die Hände fiel, sah er darin seine Fähigkeiten bestätigt. Geholt hatte niemand "Golle" an die Öffentlichkeit. Er hatte sich angeboten, an Fernsehstationen geschrieben und viele, viele Absagen erhalten. In seinem Arbeitszimmer holte er einen dicken Ordner heraus. Bei "Wetten dass" wollte ihn auch niemand. Aber die Wände verraten trotzdem sein erfolgreiches Wirken. Tapeten bräuchte das Zimmer eigentlich nicht. Bis oben hin schmücken Bilder mit Schlagzeilen jedes Fleckchen. Berühmte Köpfe mit den dazugehörenden Händen gerahmt nebeneinander. Auch Dankesschreiben von Menschen wie "du und ich", die sogar "Golle" ermahnen, sich selbst nicht zu vergessen, damit es auch ihm so gut ergehen möge wie ihnen, denen er erfolgreich hat helfen können. Albrecht Dürers "Betende Hände" fehlen nicht. "Hände sagen mehr als Worte; du hast die Zukunft in der Hand", aber auch Zeitungsausschnitte und Fernsehauftritte beim Mitteldeutschen Rundfunk bezeugen seine Popularität.

Schon die Handoberfläche gibt beim groben Hinschauen bestimmte Eigenschaften preis. Die Linien der Handinnenflächen verraten Charaktereigenschaften, Beziehungen, Beruf und Krankheiten. Neben einer Nageldiagnostik werden auch Wege zur Problemlösung mithilfe einer psychologisch orientierten Handanalyse erstellt, erklärt Golandsky.

Ich schaue dem Chirologen in reine ruhigen braunen Augen und versuche meine Hände mit einer gekrümmten Haltung zu verstecken, weil er genau da hinschaut. Es ist mir nicht unangenehm. Ich schreibe und halte die Finder verkrampft. "Jeder verkrampft erst einmal in meiner Gegenwart seine Hände", meinte Golle beruhigend.

Danke, das hatte mich geschockt und gleichzeitig beruhigt. Ich hab's mir ja denken können, dass er mir auf die Finger schaut. "Gott schuf Zeichen und Siegel in den Händen aller Söhne der Menschen, auf dass die Söhne der Menschen ihre Werke kennen". (Hiob 37/7)."