DER ALBERT, Ausgabe Juli 1999
Landkarte des Lebens

Wie der Neustadter Alexander Golandsky in die Zukunft blickt ...


Zeig mir deine Hand, und ich sag' dir, wer du bist", so der Leitspruch von Diplom-Chirologe Alexander Golandsky. Der gelernte Einzelhandelskaufmann entdeckte vor über zehn Jahren seine große Leidenschaft, das Handlinienlesen. Anfangs wagte er in Discos und Kneipen einen schnellen Blick in die Hand seiner Kumpels. Innerhalb eines Vierteljahres machte der Neustadter das Chirologen-Diplom am Institut für Grenzwissenschaften in Pfarrkirchen. "Wozu andere zwei Jahre brauchten, das hat Alexander in kurzer Zeit geschafft", so Vater Harry Stolz.
 
Bis heute hat Golandsky Junior über 100 Bücher gelesen, die von der Kunst des Handlesens erzählen. Neben der Theorie, weiß er, ist die tägliche Erfahrung ein wichtiger Bestandteil der Weiterbildung. "Sogar Ärzte waren schon überrascht von meinen Ergebnissen", diagnostizierte nicht nur einmal Schlaganfälle und Herzinfarkte oder prophezeite Firmenpleiten und Schwangerschaften. Selbst den Tod des 82jährigen Stargeigers Yehudi Menuhin sah er genau voraus.

Zu seinen Kunden zählen Freudenmädchen und Fabrikbesitzer, eine Schloßherrin oder Bauingenieure, die eigens von Leipzig, Dresden oder Österreich anreisen. Seine älteste Klientin war 85 Jahre, ein Baby mit 16 Wochen der jüngste Kunde. "Starke Männer werden schwach und fühlen sich wie der Boxer beim Zahnarzt", weiß der Diplom-Chirologe.



Sogar bei Prinz Charles klopfte Golandsky schon an, mit der Bitte, ihm aus der Hand zu lesen - ohne Ergebnis. "Mein Wunsch ist, Mördern aus der Hand zu lesen", sagt der fernseherfahrene Neustadter. Nachfragen beim Bayerischen Justizministerium und zwei Haftanstalten in Hamburg blieben bislang erfolglos.

"Je interessanter und bewegter ein Leben ist, desto mehr Linien gibt es", bestätigt Golandsky. Einzelne Linien allein - in Zeitschriften oft falsch dargestellt - sagen nichts über den Menschen aus. "Ich muß beide Hände, Ober- und Unterfläche, vergleichen. Auch die Länge und Stellung der Finger ist wichtig", führt Golandsky vor. Vom ersten Blick bis zur fertigen Analyse vergehen oft bis zu 20 Arbeitsstunden. Die "Landkarte des Lebens", wie Golandsky die Hände nennt, wird dazu abfotografiert, eingescannt und nachbearbeitet. Erst jetzt werde das "Spinnennetz" der Handflächen sichtbar.
 
"Die Schicksale meiner Kunden blasten mich sehr stark, so daß ich immer nur ein oder zwei Fälle gleichzeitig bearbeiten kann", gibt er zu bedenken. Das geschäftliche Interesse seht bei dem ehemaligen Rocker hinten an, "wissenschaftliche Zwecke" seien sein Hauptinteresse.

Aufgrund seiner Berufsethik wehrt er sich auch gegen Kollegen, die mit einem flüchtigen Blick in die Hand schnelles Geld machten. "Astrologen sind wie Immobilienhändler. Sie bringen keine Fakten", unterscheidet er scharf. Selbst ein Arzt aus Österreich wollte schon bei Golandsky die alt-orientalische Kunst erlernen. "Seinen Ursprung", so der gebürtige Neustadter, "hat das Handlinienlesen nämlich im Orient, China und Indien. In Thailand sind Handlinienleser hochangesehene Leute", weiß der Ex-Mann einer Thailänderin. Mit den Kreuzrittern und den Zigeunern kam die fremde Kunst nach Europa.

Wahrheit oder Spinnerei? "Richtige Gegener sind am Ende seine Freunde geworden", bestätigt sein 67jähriger Vater. Und selbst in der Bibel (Hiob 37,7) steht schon geschrieben: "Gott schuf Zeichen und Siegel in den Händen aller Söhne der Menschen, auf daß die Söhne der Menschen ihre Werke kennen."

(Entnommen aus "DER ALBERT" Ausgabe Juli 1999 S. 6-8. Die Bilder sind ebenfalls entnommen aus dieser Ausgabe und gehören dem Alboorg DER WIRTSCHAFTSVERLAG Coburg)